St. Viktor-Dom - Bedeutung

 

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dom_luftbildDer St. Viktor-Dom nimmt in der Reihe bedeutender Kirchen im Rheinland eine in mehrfacher Hinsicht besondere, wenn nicht einmalige Stellung ein.

  • Archäologisch belegt und in beeindruckenden Spuren sichtbar gemacht entsteht über spätrömischen Grabmemorien eine frühchristliche Gedächtnisstätte, deren Verehrung in nie unterbrochener Baugeschichte Schale um Schale bis zum heutigen Dom wächst.
  • Als schließlich größte Kirche „zwischen Köln und dem Meer“ wird sie, anders als der Kölner Dom, noch im ausgehenden Mittelalter in ihrer heutigen Form vollendet.
  • Trotz der langen Bauzeit und vieler Bauperioden über  fast fünf Jahrhunderte hinweg beeindruckt der Dom seine Besucher durch die  Harmonie seines Innenraumes.
  • Beispiellos, dass seine gleichfalls in Jahrhunderten gewachsene kostbare Ausstattung an Altären, Skulpturen, liturgischem Gerät, Chorgestühlen, Wandteppichen und Glasmalereien trotz mannigfacher Gefährdung fast vollständig erhalten blieb. Dazu hat das hochbedeutende Kanonikerstift St. Viktor, viel älter noch als der heutige Dom, neben dem Dom und seinen Schätzen und Nebengebäuden ein bis ins 12. Jahrhundert zurückreichendes Stiftsarchiv und eine wertvolle Stiftsbibliothek hinterlassen. Die Einrichtung eines Stiftsmuseums in direkter Verbindung zum Dom konnte dieses seltene Gesamtkunstwerk nun nach zwanzigjähriger Planung und Aufbauarbeit beeindruckend zusammenfassen. Am 13. Mai 2010 wurde das neue StiftsMuseum feierlich eröffnet und durch Dr. Felix Genn, den Bischof von Münster, eingeweiht. Mit der Propsteigemeinde St.Viktor und dem Förderverein Stiftsmuseum Xanten, Stadt, Land und Bistum freut sich auch der Dombauverein in besonderer Weise. (Auf die entsprechenden Links in unserer Homepage weisen wir empfehlend hin.)
  • Doch das Bemühen um den St. Viktor-Dom erfährt  nicht zuletzt eine geistige Begründung. Mag umstritten bleiben, wo nun genau die Gebeine Viktors, des römischen Märtyrers aus der legendären thebäischen Legion ruhen – unbestritten ist: die Legende von den Gräbern frühchristlicher Zeugen an dieser Stelle hat sich im Kern als historisch erwiesen. So wurde die Stadt Xanten = ad sanctos, „zu den Heiligen“.
  • Deren Anziehungskraft hat die Zeiten bis in unsere Tage hinein überdauert.1936 weihte Bischof von Galen die Krypta über den Märtyrergräbern ein und hielt seine erste große Widerstandspredigt gegen die Praxis des Nationalsozialismus. 1966 wurden Blutzeugen als Opfer des Naziterrors hier bestattet, zusammen mit Aschenerde aus den Konzentrationslägern. 1996 wurde einer von ihnen, Karl Leisner, seliggesprochen, 2001 Nikolaus Groß, dessen ebenfalls hier gedacht wird, 2005 schließlich Kardinal von Galen, an den seitdem  eine Reliquie in der Krypta erinnert. Eine wachsende Wallfahrt zu ihnen führt  die  europäische Jugend zu Karl Leisner, die christlichen Arbeiter zu Nikolaus Groß, die Bewunderer mutiger Glaubenszeugen seit dem heiligen Viktor und seine Gefährten an diese Stätte.

So bleibt hier das Gedächtnis an den Sieg der Gewissenskraft über äußere und innere Unfreiheit über 1600 Jahre hinweg lebendig. Und so sieht Propst Manthey den St. Viktor-Dom als Mahnung und Erfahrung, die neben dem Herzen den Verstand fordern und den Besucher durchaus auch erschüttern wollen.