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Rheinische Post Xanten/Rheinberg Gott und die Welt Samstag 29. Mai 2010
Zwei Fenster im Xantener Dom werden nach der Restaurierung ein Jahr lang mit Sensoren bestückt. Die Denkmalschützer wollen herausfinden, welche Beschichtungen dem Kirchenklima zuträglich sind.
VON HEINZ KÜHNEN
XANTEN Ein mächtiger, mit Goldfransen verzierter blauer Baldachin beherrscht die Szene. Darunter ein Bett mit der sterbenden Maria. Friedliche Ruhe umgebe ihr feines Gesicht, schrieb im Jahr 1929 Dr. Heinrich Oidtmann in seinen „Rheinischen Glasmalereien" über das Fenster im Nordschiff des Xantener Doms, das nach aufwendiger Restaurierung jetzt wieder in voller Klarheit zu bewundern ist. Und es ist eins, dass ein Jahr lang im Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses stehen wird. Die Bahnen des aus dem frühesten 16. Jahrhundert stammenden Kirchenfensters wurden nach unterschiedlichen Gesichtspunkten geschützt. Wenn die aktuellen Arbeiten von Glasrestauratorin Gerlinde Möhrle am Passionsfenster im Südschiff beendet sind, wird hier wie dort die Wirkungsweise der Beschichtungen bis zu zwölf Monate lang über Sensoren gemessen - ein Forschungsprojekt, das die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 50 000 Euro unterstützt.
„Der Tod Mariens“: Links oberhalb des Totenbettes steht in Albe und Stola der Apostel Petrus, der mit einem Weihwedel den Segen spendet. Rechts, im feurig roten Gewand trägt Johannes jene Palme in der Hand, mit der der Engel Maria den Tod verkündete. Neben ihm der Apostel Andreas, der durch Blasen ein Rauchfass entzünden will. Am Fuß des Bettes blieb noch Platz für den Stifter: ein jugendlicher Kanoniker mit langem blonden Haar. RP-FOTOS (2): ARMIN FISCHER
Schädliche UV-Strahlen Dabei geht es weniger um die Fenster an sich, sagt der Leiter der Dombauhütte, Johannes Schubert. Zwar müssten sie vor mechanischen Einwirkungen geschützt werden; die Farben der Glasmalerei aber bestehen aus anorganischen Verbindungen, die selbst nicht durch Licht zerstört werden. Hingegen werden die Farben der Tafelbilder und Textilien in der Kirche auf Dauer durch UV-Strahlungen zersetzt, sagt der 47-jährige Steinmetz- und Bildhauermeister. Und letztendlich hat der Xantener Dom ein Alleinstellungsmerkmal: Die Kirche ist beheizt. „Da muss schon aus Kostengründen eine Isolierverglasung her", sagt Schubert. Die Konstellation ist einzigartig und bislang völlig unerforscht. Nach der Restaurierung durch die Firma Oidtmann aus Linnich erhielten die senkrechten Fensterbahnen deshalb unterschiedliche „Unterstützungen". Einmal gab es nur zusätzliches Verbundsicherheitsglas, bei der nächsten Bahn wurde - wie schon im benachbarten Fenster Isoglas verwendet, die dritte bekam zusätzliche eine Wärmeschutzbeschichtung, die vierte dazu noch einen verbesserten UV-Schutz. Wie sich das auf Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Strahlung auswirkt, ist noch völlig ungewiss. Auswirkungen anderer Art sind allerdings bereits feststellbar. Durch die weitaus dickere Verglasung, die die Mainzer Firma Schott jetzt erstmals auch für das Maßwerk im Fenstergiebel ermöglichte, wirken die Darstellungen vom Kircheninneren betrachtet, wesentlich näher und transparenter.
Einer der wichtigsten Glasstätten Von außen allerdings bekommt der Dom eine völlig andere Erscheinungsweise. Die Fenster wirken dunkelgrau, die Farbigkeit verschwindet. „Allerdings", so Schubert, „müssen nun auch kein Gitter mehr vorgesetzt werden." Und: Auf diese Weise werde „eine der wichtigsten Glasstätten im gesamten Rheinland" dauerhaft gesichert.
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Das restaurierte Domfenster im Nordschiff.
INFO
Das Programm
50 000 Euro kosten Ausbau, Säuberung, Beschichtung und Einsetzen der zwei Forschungsfenster im Dom. Weitere 50 000 Euro zahlt die DBU für die Sensortechnik und die Auswertung. Die Ergebnisse sind maßgeblich für die weitere Vorgehensweise an den mittelalterlichen Domfenstern. Es geht um acht weitere Fenster im Nord-, sieben weitere im Südschiff sowie drei in der Sakristei. Für jedes Fenster wird ein eigenes Programm nötig. Die Kosten in den Folgejahren gehen in den Millionenbereich.
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Quelle: Verlag: Rheinische Post Verlagsgesellschaft mbH Publikation: Rheinische Post Xanten-Rheinberg Ausgabe: Nr.123 Datum: Samstag, den 29. Mai 2010 Seite: Nr.12 |