Walter Bader – Retter des Domes

100. Geburtstag von Prof. Walter Bader

 

w_bader

Am 15. September 2001 jährt sich zum hundertsten Mal der Geburtstag Prof. Dr. Walter Baders. An diesem Tag wollen die Katholische Propsteigemeinde St. Viktor, die Stadt Xanten und der Verein zur Erhaltung des Xantener Domes Walter Baders dankbar gedenken – als dem Retter des Xantener Domes, als dem Ehrenbürger Xantens, der sich wirksam auch um den Wiederaufbau der Stadt verdient gemacht, als dem Namensgeber der Walter-Bader-Realschule, der sich in kaum allgemein bekanntem Umfang um den Aufbau der Denkmalpflege in Nordrhein-Westfalen verdient gemacht hat. Ein ökumenischer Wortgottesdienst und ein schlichter Festakt sollen an diesem Tag möglichst viele Mitglieder der Kirchengemeinden, Bürgerinnen und Bürger Xantens sowie Gäste aus dem Land im Dom zusammenführen. Hier wird auch eine kleine Ausstellung über die Person und das Wirken Walter Baders eröffnet und das neue Buch des Historikers Stefan Kraus, „Walter Bader – Denkmalpflege in schwerer Zeit“, das der Dombauverein in Auftrag gegeben hat, vorgestellt.

 

 

 

einladung

 

 

Impressionen vom Festtag


bader_festakt01small bader_festakt02small bader_festakt03small

Lasst euch als lebendige Steine
zu einem geistigen Haus aufbauen.
Pfarrer Joachim Wefers und
Propst Alfred Manthey leiteten
den ökumenischen Gottesdienst.

(Foto: Armin Fischer)

Prof. Dr. Wolff war es in seinen
Erinnerungen gelungen,
Walter Bader so herzlich wie
festlich nahe zu bringen.

(Foto: Armin Fischer)

Sehr zahlreich waren die Festgäste
zu Ehren Walter Baders in
´seinen´ Dom gekommen.

(Foto: Armin Fischer)


 


 

Stefan Kraus, Walter BaderDenkmalpflege in schwerer Zeit

Inhaltliche Kurzfassung des neuen Buches über Prof. Dr. Walter Bader

 

Der Name Walter Bader ist untrennbar verbunden mit dem Wiederaufbau des Xantener Domes und der Neuorganisation der Denkmalpflege im Bundesland Nordrhein-Westfalen nach dem Zweiten Weltkrieg. Bis 1969 war er als Staats- und Landeskonservator federführend an der Rettung und Wiederherstellung vieler wichtiger Baudenkmäler des Landes beteiligt. Sein Engagement galt einer organisatorisch und fachlich starken Denkmalpflege, die im Kampf um Bau- und Kunstdenkmale dem Zeitgeist des Wirtschaftswunders widerstehen konnte. Sein Lebenswerk aber war der Wiederaufbau des Xantener Domes. Bereits in den 30er Jahren hatte er als Archäologe bedeutende Ausgrabungen im Dom geleitet. Nachdem ihm seine kritische Haltung zum Nationalsozialismus eine Haftstrafe und massive Behinderungen in seiner beruflichen Tätigkeit einbrachten, widmete er sich nach 1945 der Rettung der im Krieg weitgehend zerstörten Kirche, der um den Dom gelegenen sog. Immunität und der gesamten Stadt. Am 15. September 2001 jährt sich zum hundertsten Mal der Geburtstag von Walter Bader, dessen Biographie aus diesem Anlass erscheint.

 

bader_festakt04smallDie Darstellung konzentriert sich auf verschiedene Schwerpunkte im Leben Walter Baders. Der gebürtige Württemberger kam während seiner Studien Mitte der zwanziger Jahre ins Rheinland nach Bonn, wo er bei Paul Clemen, einer der bedeutendsten Persönlichkeiten der Rheinischen Denkmalpflege, promovierte. Seine ersten beruflichen Schritte tat er im Provinzialmuseum Bonn, dem heutige Rheinischen Landesmuseum. Der studierte Kunsthistoriker entwickelte sich schnell zum Fachmann für Mittelalter-Archäologie, da er große wissenschaftliche Erfolge bei mehreren Kirchengrabungen verzeichnen konnte. Dies führte ihn auch nach Xanten, wo er zu Beginn der dreißiger Jahre die Domgrabung im wesentlichen leitete, die zum Fund der sog. Märtyrer führte. Diese wissenschaftliche Entdeckung sollte Baders Lebenswerk werden. Eine gradlinige Fortsetzung der wissenschaftlichen Karriere – Bader galt in den frühen dreißiger Jahren als eines der größten archäologischen und kunsthistorischen Talente im Rheinland – verhinderte aber die politische Entwicklung in Deutschland. Bader, seit ca. 1932 aktives SPD-Mitglied, nahm Kontakte zu Bonner Widerstandskreisen um die evangelischen Theologen Barth und Schmidt auf. Als sich diese Gruppe unter dem Druck der Nationalsozialisten (Barth musste Deutschland 1934 verlassen) aufzulösen begann, arbeitete Walter Bader im Umfeld einer kommunistischen Studentengruppe in Bonn, die von dem späteren Geschichtsprofessor Walter Markov geleitet wurde. Als die Gestapo diese Gruppe 1935 auflöste und die Mitglieder verhaftete, verbrachte Bader mit den anderen einige Zeit in Untersuchungshaft bis sie vom Vorwurf des Hochverrats freigesprochen wurden. Der rechtliche Freispruch führte aber nicht zur gesellschaftlichen und beruflichen Rehabilitation, Baders Stelle im Landesmuseum war bereits wieder besetzt worden, und bis zum Ende der Nazi-Herrschaft musste er sich mit Werkverträgen wirtschaftlich über Wasser halten. In dieser Zeit lernte er die Xantenerin Hildegard Scholten kennen, beide heirateten 1939. Seitdem war Bader in Xanten heimisch. 1944 wurde er mit dem Kunstschutz am Niederrhein angesichts der näher rückenden Front beauftragt. Nach Ende der Kampfhandlungen 1945 sorgte Bader für den Rücktransport der ausgelagerten Kunstgüter und begann sofort mit dem Wiederaufbau des weitgehend zerstörten Domes seiner Wahlheimat. Dieses Projekt und damit verbunden die Wiederherstellung der Stifts-Immunität wurden zu einer beständigen Aufgabe für die nächsten Jahrzehnte. Gleichzeitig wurde Bader ins neu geschaffene Kultusministerium des Landes Nordrhein-Westfalen berufen, um sich dort als Referent für die Denkmalpflege um den Wiederaufbau der Kunstdenkmale des ganzen Landes zu kümmern. Von 1947 bis 1969 war er damit beschäftigt, ein Konzept für eine effiziente Denkmalpflegeorganisation für das Land Nordrhein-Westfalen zu entwerfen und umzusetzen, was ihm angesichts diverser politischer und persönlicher Widerstände nur teilweise gelang. Aber durch sein Bemühen konnte so manche Kirche und so manches Profandenkmal vor der endgültigen Zerstörung gerettet werden. Bader warb um die nötigen Geldmittel und eine positive öffentliche Stimmung für die Denkmäler, was angesichts der Prioritäten des Wiederaufbaus und des „Wirtschaftswunders“ nicht einfach war. Sein Eintreten für die Baudenkmäler wurde oft genug von Bauherren und Architekten als Ärgernis, von Politik und Wirtschaft als Aufschwunghindernis empfunden. Der letzte große Abschnitt seines Lebens begann, als Walter Bader 1969 emeritiert wurde und nun Zeit hatte, die großen Publikationen zum Xantener Dom anzugehen, die ihm seit den dreißiger Jahren auf dem Herzen lagen. Hierin verteidigte er nochmals seine Interpretation der Ausgrabungen von 1930 mit dem Fund der sog. Märtyrer gegen neuere Erkenntnisse der Archäologie. Auch erhielt er nun zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen, die seine Verdienste um den Dom und die Denkmalpflege würdigten.

 

Stefan Kraus