|
St. Viktor-Dom - Domblicke |
|
Bedeutung ι Baugeschichte ι Domblicke
 |
Die mächtige Doppelturmfassade, bis heute Wahrzeichen am Niederrhein, weist Spuren aller Bauepochen des jetzigen Domes auf. Das ursprünglich nur dreigeschossige staufische Westwerk mit seinem eingestuften Portal und den rundbogigen Blenden ist als ältester Teil (ab 1180/90) erkennbar. Erstes und zweites Turmgeschoss mit Lisenenfeldern und Schallarkaden wurden noch beidseitig hochgezogen, während zunächst nur der Südturm den oberen Abschluss samt Turmhelm (1380) erhielt, der Nordturm erst Anfang 16. Jh.. Ab 1517 wurden das große spätgotische Maßwerkfenster in die Fassadenmitte gebrochen, der Giebel darübergesetzt und schließlich die Turmgalerien aufgebracht.
|
|
|
|
Das 1492 -1512 nach einem Riss des Johannes von Langenberg ausgeführte Südportal zeigt den ganzen Reichtum spätgotischen architektonischen Aufbaus und dekorativer Bauzier. Unter Einbeziehung der flankierenden Sterbepfeiler und des über dem Portal gelegenen Fensters erfreut eine wachsend üppigere Gliederung an Maßwerk, Winpergen, Ecksäulen und Fialen. Die spät- und neugotischen Portalfiguren mussten durch Abgüsse ersetzt werden. Bewundernswert jedoch die Steinmetzarbeiten der Dombauhütte, die mit großem handwerklichem Geschick und Zeitaufwand hunderte von Teilen der völlig verwitterten Bauzier neu schaffen musste. 1997 endlich konnte das Südportal, in dieser Form erstmals "vollendet", geweiht werden.
|
 |
|
|
 |
Die staufische Westchorhalle zählt zu den bedeutendsten Bauschöpfungen der Zeit um 1200 in den Rheinlanden. Der von außen massive Querriegel des Westwerks wölbt sich im Inneren in drei Jochen. Nach dem Eintritt durch das Südportal verliert sich der Blick geradezu meditativ im Licht- und Schattenspiel der zwei Geschosse, in der Reihe rundbogiger Nischen im Untergeschoss, in der zweischaligen Wandgliederung mit Laufsteg des durchfensterten Obergeschosses.
|
|
|
|
Wer durch das hohe Mittelschiff über den Gemeindealtar und den Lettner hinweg zum Chorabschluss schaut, den nimmt eine vollkommene Raumeinheit gefangen, die nicht ahnen lässt, dass sie 300 Jahre lang Schritt um Schritt entstanden ist. Ein über so viele Generationen als verbindlich überliefertes Planschema bindet die sich verändernden stilistischen Architektur- und Schmuckelemente zu einer wunderbaren Harmonie. Es mag kühnere gotische Dome geben, sicher aber nur wenige, in denen man sich so heimisch fühlen kann.
|
 |
|
|
 |
Der Kanonikerchor mit dem Hochaltar verbindet den früheren Ort des Chorgebets mit dem Gedächtnis der Märtyrer. So ist die nahezu lückenlos überkommene kostbare Ausstattung weniger eine Demonstration des Reichtums des Stiftes, vielmehr Ausdruck der Verehrung. Ob der den Viktorschrein umschließende geschnitzte und vergoldete Hochaltar mit seinen Flügelgemälden und Reliquienbüsten, ob der bronzene Leuchterbogen. das Chorgestühl, die wertvollen Wandteppiche oder die Zyklen der Pfeilerfiguren - alles beweist die Wertschätzung, der man in diesem "begehbaren Reliquienschrein" künstlerischen Ausdruck gab.
|
|
|
|
Kein Besucher sollte es versäumen, in die Krypta hinab zu steigen, die Urzelle des Xantener Domes. Die archäologischen Befunde, die an die Spätantike anschließenden Baureste bilden den Hintergrund für den schlichten Altar über dem römischen Doppelgrab, das 1933 von Walter Bader entdeckt wurde. Bedenkt man, wie schnell oft Gräber und ihre Botschaft vergessen sind, so ermutigt das gut 1500 Jahre anhaltende Gedächtnis an dieser Stelle. Daher war es Sinn stiftend, niederrheinische Opfer des Naziterrors in das Mätrtyrergedenken einzubeziehen. Sarkophage und Aschenurnen, Reliquien, Erinnerungsstücke und Schrifttafeln erinnern, stellvertretend für viele, an die selig gesprochenen Karl Leisner, Nikolaus Groß und Kardinal Galen, an Gerhard Storm, Heinz Bello, Johannes Maria Verweyen und Wilhelm Frede.
|
 |
|